Wie man sich bettet…

Von Musikinstrumenten zum Bettenbau

Vor inzwischen mehr als 25 Jahren besuchte Tischler und Bettenbauer Franz Heindler die HTL für Möbelbau und Innenausbau in Hallstatt. Während der fünf Jahre, die er dort verbrachte,  wurde der neue Ausbildungszweig Instrumentenbau gegründet. „Durch die überschaubare Größe der Schule blieben natürlich Berührungspunkte mit diesem Schulzweig nicht aus und so war es auch für mich möglich, einfache Instrumente wie Seitlpfeifen selbst zu bauen“, so Heindler. Einige Jahre später wandte sich ein Bekannter mit der Frage an ihn, ob er ihm einen E-Bass nach seinen speziellen Vorstellungen bauen könnte. Nach ausreichendem Studium der „einschlägigen Literatur“ und einiger Tüftelei konnte er das Instrument zur vollsten Zufriedenheit des Auftraggebers  fertigstellen. Bei einem darauffolgenden Konzert des Bassisten kam Heindler mit Erich Schlagitweit, Geschäftsführer der oberösterreichischen Firma Vega Nova, ins Gespräch, „der auf meine Fähigkeiten im Umgang mit Holz aufmerksam wurde und wissen wollte, ob ich Betten auch so gut bauen kann“.

Fruchtbare „Betten-Kooperation“

Die gemeinsame Freude an massiven Holzkonstruktionen und Naturbetten führte schließlich zur Zusammen-arbeit, die nun schon beinahe 20 Jahre andauert. Heindler produziert einmal pro Monat eine Kleinserie an Naturholzbetten nach den Kundenwünschen und Bestellungen bei Vega Nova – im Jahr entstehen so rund 200 handgefertigte Betten. „Da geht’s nicht um schnellen Profit oder um Wachstum um jeden Preis. Wir wollen ehrliche Produkte mit hohem ökologischen Wert zur Freude und zum Nutzen aller an der Kette Beteiligten, bis zum Endkunden, produzieren“ erklärt er die fruchtbare Zusammenarbeit.

Klein aber Fein

Seine kleine Tischlerwerkstatt hat Heindler im Steyrtal. Gegründet wurde diese vor mehr als 50 Jahren von seinem Vater, der zu Hochzeiten zehn Mitarbeiter beschäftigte. Heute führt  Heindler  einen Kleinbetrieb: „Ich  beschäftige einen Gesellen, der schon seit 30 Jahren im Betrieb ist, mein Vater und eine meiner Schwestern sind geringfügig angestellt und unterstützen uns in der  Produktion. Diese Kleinheit sei „bewusst gewählt“ und ermögliche es, sehr flexibel auf Kundenwünsche zu reagieren. Zudem könne er so auch noch selbst direkt in der Entwicklung und Produktion mitarbeiten.

Reine Holzarbeit

Oberster Grundsatz im Bettenbau der Werkstatt Heindler ist die Metallfreiheit. „Dabei geht es nicht nur um die Frage nach energetischen Störfeldern, sondern einfach auch um die handwerkliche Freude und Präzision die Betten mit intelligenten Steckverbindungen zu konstruieren“. Dank eines benachbarten Sägewerks ist es zudem sehr kurzfristig möglich „alle Arten von Hölzern“ zu organisieren. Ein besonderer Stolz in der Produktion ist das Zirbenbett, wo auf Verleimungen und sonstige Behandlung des Holzes komplett verzichtet wird, „damit die besonderen Eigenschaften des Zirbenholzes voll zur Entfaltung kommen“. Grundsätzlich ist für Heindler die Entscheidung für die Verwendung von Massivholz eine Frage der Nachhaltigkeit: „Spanplattenmöbel werden  nach einer gewissen Lebensdauer entsorgt, Massivholzmöbel haben grundsätzlich eine höhere Lebensdauer, können zusätzlich immer wieder instand gesetzt werden und selbst nach Ablauf ihrer  Lebensdauer werden die Einzelteile meist wiederverwendet“.

Faszination Bettenbau

Die Faszination am Bettenbau liegt für Franz Heindler, der in seiner Freizeit auch gerne leichte Holz- Modellflugzeuge baut, „in dem Wissen, dass ich ein Möbelstück für Menschen herstelle, welches diese meist ein Leben lang begleitet und in dem ein Drittel der Lebenszeit verbracht wird. Ein Möbelstück wo Geburten, Träume, Liebe und auch Tod zuhause sind und in welchem der Baum in einem gewissen Sinn weiterlebt; ein ‚Lebensbaum‘ eben, in dem sich ein großer Teil unseres Lebens abspielt. Es ist eigentlich das Möbel, zu dem der Mensch am meisten Beziehung hat.“ Er selbst schläft auf einem seiner Prototypen „den es noch nicht bei Vega Nova gibt“. Für guten Schlaf ist ihm schließlich noch wichtig, „dass der Gedanke der Natürlichkeit und Schadstofffreiheit auch beim Innenleben, also bei Bettsystem und Matratze seine Fortsetzung findet“.